Montag, 31. März 2014

Termine für die Flussbewohner

Das Wetter ist schön geworden. Der Frühling hat uns bereits mehrere Tage mit annährend 20 Grad beschert. Die Leute zieht es in die Saaleaue und auf den Fluss. Aber es gibt auch einige wichtige Termine, die ich hier ankündigen möchte.
  • am 2. April 2014 um 18 Uhr findet in der Händelhalle die Informationsveranstaltung zum Neubau des Gimritzer Damm statt. Dazu lädt der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) interessierte Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung ein. Wer sich für den Hochwasserschutz in Halle interessiert und/oder Betroffener ist, sollte hier unbedingt teilnehmen. An der Anzahl der Teilnehmer wird das LHW und die Stadt Halle das Interesse und die Meinung der Bevölkerung ablesen können. OB Wiegand hat mir sein sehr starkes Interesse an dieser Veranstaltung signalisiert.
  • am 13. März habe ich das erste Mal am Saalestammtisch teilgenommen und es als sehr interessante Runde erlebt. Ob das über Vorträge und Terminaustausch allerdings jemals hinausgeht? Also hin- und hergerissen möchte ich dennoch auf den nächsten Stammtisch am Donnerstag 24. April 2014, 19.00 Uhr hinweisen. Thema: Radfahren an der Saale, Impulsvortrag von Ralf Bucher, Radbeauftragter der Stadt Halle Ort: Hospital St. Cyriaci et Antonii , Richard-Robert Rive Haus, Club-Lounge Unterplan 10, 06110 Halle an der Saale.
Ich sollte vielleicht nicht so ungeduldig sein. Geduld und viel Wasser in der Saale wünsche ich deswegen bis zum nächsten Eintrag

Euer Rio

Donnerstag, 27. März 2014

Streit um den Wassertourismus

Piraten auf der Saale - vom AHA verflucht!
Eins wollen wir zu Beginn festhalten: An der Peißnitz ist nichts mehr natürlich, spätestens seit das Dorf Gimritz im Hersfelder Zehnverzeichnis erwähnt worden ist (hier nachlesen) gestaltet der Mensch die Insel. Die Peißnitz war slawische Siedlung, Klostergut, Privatgut, Ferienkolonie, Vergnügungspark, Messegelände, Park undundund ... Purnatur, wie sie sich der Romantiker vielleicht vorstellt, gibt es hier schon lange nicht mehr. Es gibt gestaltete Natur, die aus vielerlei Gründen auch immer wieder gestaltet werden muss (nicht nur kann), das können wir bedauern, aber nicht ändern.

Mitten in der Stadt und zu Wasser

Allein ist man auf der Insel ohnehin nicht. Heute ist die Peißnitz ein beliebtes Ziel für viele Hallenserinnen und Hallenser. Das verwundert auch nicht, denn die Peißnitz liegt mitten in der Stadt. Was auch immer gerne vergessen wird: Es wohnen auch Menschen auf der Peißnitz. Gimritz ist wieder bewohnt. Alteneinrichtung, Kindergarten, Peißnitzhaus und Tennisplätze kommen dazu.
So ist es im Sinne der vielen Besucher, wenn sich die Stadtverwaltung Gedanken um Gestaltung und Nutzung der Insel macht. Im Moment gehen die Gedanken der Verwaltung um eine Förderung des Wassertourismus.
Wie wir hier bereits berichtet haben, gehen die Überlegungen der Planer in der Stadtverwaltung auch in die Richtung, das Nebenarme der wilden Saale für den Wassertourismus geöffnet werden sollen. Das Wassertourismuskonzept soll neben einem bereits vom Stadtrat beschlossenen Konzept für die Peißnitz entstehen. Das ist begrüßenswert, denn schon jetzt wirken Fluss und Insel wie ein Magnet. Weitere Anlegeplätze für Boote und Schiffe am MMZ und am Peißnitzhaus könnten entstehen. Wer sich mit der Geschichte des innerstädtischen Flusslaufes auskennt, weiß um die vielen Reste von alten Anlegern und Bootstegen. Die Infrastruktur heute ist dagegen geradezu armselig. Der Wunsch des Peißnitzhaus nach weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Insel ist hier bescheiden.

  Aber wo bleibt der Naturschutz?

Dagegen macht der Arbeitskreis Hallische Auenwälder (AHA) nun mobil und stellt wichtige Fragen:
Nur in welchem Umfang kann diese besondere, sensible Natur und Landschaft menschlichen Tourismus verkraften ? Ab welcher Intensität fängt der Mensch an Fluss und Aue zu schädigen? Quelle hier klicken...
Ob Paddler in der wilden Saale und Motorboote auf dem Hauptstrom die Auenlandschaft schädigen und das nachhaltig, das scheint mir wenig stichhaltig. Den Beweis für Schädigungen erbringt der AHA in seiner oben aufgeführten Presseerklärung nicht. Und warum machen Paddler größere Schäden als die Massen an Joggern und Montainbikern auf der Nordspitze, von der illegalen "Vogelbeobachtungstation" im Wipfel eines Baumes mal ganz abgesehen? Auch hier erbringt der AHA keinen Beweis, seine Argumente sind reine Rückzugsgefechte.Wenn dann noch falsch recherchiert wird, wird es ganz bedenktlich: Tatsächlich gab es Baumfällarbeiten rund um die Sandinsel an der Südspitze der Insel in der Wilden Saale. Um den kleinen Baum, der auf der Insel gewachsen ist und der schon ein Freund von mir war, tut es mir sehr, sehr leid. Aber hierfür ist nicht die Stadt verantwortlich, sondern das LHW, dass die Fließgeschwindigkeit beim Hochwasser auch in den Nebenarmen der Saale damit erhöhen möchte. Das steht im Zusammenhang mit dem Neubau des Gimritzer Damms. Der ist notwendig, wenn die Bebauung in Halle Neustadt weiterhin Bestand haben soll.
Motorboote auf der Saale - Chance oder Fluch?

Motorboote ein Problem

Ich muss dem AHA aber in der Hinsicht recht geben, dass die Motorboote in der Tat ein Problem darstellen. Damit meine ich nicht die Ausflugsdampfer und die gemächlich dahintuckernden Flussschiffer. Ob man aber mit Schnellbooten, wie sie vor Nizza oder St. Tropez angebracht wären, über die Saale rasen muss ohne Rücksicht auf Verluste, wie oft genug beobachtet, das steht auf einem anderen Blatt. Motorboote an bierflaschenschwingenden Jugendlichen auszuleihen, die sich Verfolgungsjagden auf der Saale liefern, das ist zumindest grenzwärtig. Gut zu ertragen sind dagegen Partyboote wie die Saalekringel, die drehen geradezu gemächlich ihre Runden. Aber nicht alleine die Dinge, die Motoren haben, sind rücksichtslos unterwegs. Ruderbootsbesatzungen, die die Saale für ihre private Trainingsstrecke halten, agieren oft sehr schnell und gefährlich auf dem Wasser. Eine Ausweitung des Wassertourismus ist nur möglich, wenn hier mehr gegenseitige Rücksichtnahme erfolgt. In der Hinsicht ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Eine Freigabe der Nebenarme der Saale ist nicht wünschenswert und steht auch nicht zur Diskussion. Wie aber kann die Erlaubnis für Paddler und ein Befahrungsverbot für Motorboote juristisch und praktisch durchgeführt werden. Hier steckt der Teufel wahrlich im Detail und ich bin auf Lösungsvorschläge gespannt.

Die Natur kehrt zurück und das trotz Menschen

Wie bitte sollen wir die Leute denn davon abhalten, ihre freie Zeit auf der Peißnitz zu verbringen? Was machen wir mit den Freizeitstätten, Kindergarten, Heim? Sollen die Bewohner entschädigt und umgesiedelt werden. Soll das Peißnitzhausprojekt sterben? Soll die Peißnitz wieder wüst werden oder soll sie das bleiben, was sie momentan ist, eine lebendige Insel? Was nützt uns die Natur, wenn wir uns in ihr nicht bewegen dürfen?
Die Natur kehrt in die Städte zurück und die Artenvielfalt ist hier teilweise größer als auf dem Land mit seiner intensiven Landwirtschaft. Die Hochwasser haben zur Vermehrung der Arten nach meiner Beobachtung beigetragen. Die vom AHA angesprochenen Eisvögel, Reiher habe ich hauptsächlich im Hauptstrom beobachtet. Biber wurden noch nicht gesichtet. Es gibt nur die berühmten Nutrias rund um die Peißnitz.

Mehr Wassertourismus, unbedingt, aber ..

 ich habe wenig Hoffnung, das Miteinander, Rücksicht auf andere und die Natur wirklich überwiegen werden. Aber sollte deswegen alles verboten werden? Wollen wir es nicht einfach mal probieren? Hat sich der Mensch nicht oft als besser herausgestellt, als wir befürchtet haben (oft auch als schlechter, ok).  Das Mißtrauen des AHA würde ich nicht zu einer Richtschnur für das Weiterleben auf der Flussinsel werden lassen wollen. Das hieße in letzter Konsequenz, alle Brücken abbrechen und die Insel sich selbst überlassen. Das ist nicht möglich und überlegt auch keiner, außer vielleicht Robinson L. Aber ich komme Freitag ... 

Euer Rio